Flüchtlinge sind Menschen, genau wie wir!

Alle Ausländer sind kriminell!

So wird es in vielen Zeitungen geschrieben. Dies stimmt aber garnicht. Flüchtlinge sind Menschen, genau wie wir!

Genauso wie ein Deutscher kriminell sein kann, ist nicht jeder Flüchtling gleich ein Verbrecher. Meine letzte, ziemlich unglückliche Begegnung mit einem Ausländer ist noch nicht allzu lange her.

Dieser Vorfall hat sich vor ein paar Tagen vor der Hofeinfahrt unserer Mietwohnung ergeben. Steffi und ich wollten zum Bus gehen, um Josi abzuholen.

Dafür muss ich aber noch ein paar Hintergründe durchgeben.

Josi ist jetzt endlich in einem anderen Kindergarten. Man merkt, wie sie wieder aufblüht und Freude daran hat, in den Kindergarten zu gehen. An manchen Tagen jammert sie rum, warum sie denn nicht länger im Kindergarten bleiben könnte. Morgens wird sie mit einem extra Bus abgeholt und auch wieder gebracht.

Jedenfalls wollten wir an diesem besagten Tag zur Haltestelle, um Josi in Empfang nehmen zu können. Vor der Einfahrt ist ein türkischer Mitbürger, vermutlich wohnt er auf dem Grundstück nebenan, mit seinem fetten Audi vorgefahren. Bis dahin war auch alles in Ordnung. Er hat sich nur etwas verschätzt und somit stand er so ungünstig, dass er nicht mehr in die Einfahrt kam. Also kurzerhand Rückwärtsgang rein und los geht’s. Da er aber nicht in den Rückspiegel gesehen hat kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit einer Frau, welche die Straße hinter ihm überqueren wollte.

Anstatt sich zu entschuldigen, kam von diesem Mitbürger mit Migrationshintergrund eine Vielzahl von Beschimpfungen, dass sie doch gefälligst aufpassen soll, er hätte ja keine Schuld wenn sie über die Straße läuft.

Da mir das zu blöd war, und die Frau definitiv im Recht, ich war ja Augenzeuge, habe ich mich auch eingemischt. Dass dieser Türke überaus aggressiv ist, aussteigt und auf mich losgehen will, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Also habe ich ihn freundlich, aber bestimmend darauf aufmerksam gemacht, dass er schließlich einen Rückspiegel hat, und er diesen auch benutzen muss, obwohl er eine „fette Karre“ hat. Ich vermute mal, dass es noch in einer Schlägerei ausgeartet wäre, wäre sein Vater oder Kollege nicht dazwischen gegangen.

Nachdem ich mir noch Beschimpfungen wie „Wichser, Hurensohn, Arschloch“ anhören durfte, habe ich ihm auch nur noch hinterhergerufen, dass er doch bitte in sein Herkunftsland zurückkehren möchte.

Ich gebe zu, es war vielleicht nicht die ideale Art, sowas zum Ausdruck zu bringen. In diesem Moment war ich jedoch so extrem sauer, dass mein Gehirn ausgeschaltet hat. Um mein Karma aber wieder ins Reine zu bringen, konnte ich noch am selben Tag einem syrischen Flüchtling beim Einkaufen helfen, indem ich ihm bei der Suche nach den Produkten geholfen habe.

Flüchtlinge sind Menschen, genau wie wir!

Man hört immer wieder, „meine Stadt/mein Dorf bekommt Flüchtlinge, jetzt muss ich noch besser aufpassen, dass mir nichts geklaut wird. Vor längerer Zeit habe ich schon mal einen Post darüber verfasst, dass dies auch nur Menschen sind und auch wahnsinnig glücklich, endlich in Sicherheit zu sein. Auch wir haben jetzt syrische Nachbarn. Diese wohnen uns gegenüber und sind selber noch relativ jung. Am Anfang waren wir etwas ängstlich. Nicht weil wir glauben, dass sie uns das Haus leer räumen, sondern eher, weil wir nicht wussten wie wir mit ihnen umgehen sollen. Um ehrlich zu sein, ist es für mich immer noch etwas komisch, weil ich nie weiß, was würde sie kränken, was nicht?

Den einen Tag haben sich deren Tochter Limar und Josefine zum ersten Mal miteinander spielen getroffen. Limar ist ein eher aufgewecktes Kind, die sich auch in Josis Zimmer sehr schnell wohl gefühlt hat. Nur vor Katzen hat sie dann ziemliche Angst gehabt, weshalb wir auch unseren Neuzugang, Amy, wegsperren mussten. Josi hingegen war eher schüchtern, und wollte nicht ohne mich zu Limar in die Wohnung. Während die beiden dann aber angefangen haben zu spielen, habe ich mich mit dem Vater unterhalten und einige echt interessante Sachen erfahren.

In Syrien lebten sie in einem eigenen Haus mit Hof und Garten. Sogar ein eigenes Auto hatten sie. Seinen Namen weiß ich nicht mehr ganz genau. Ich glaube er war Mohammed. Er erzählte mir, dass jetzt alles zerstört ist und er seine Frau vorgeschickt hat. Sie wohnt jetzt seit etwa einem Jahr in Deutschland, er mit Limar erst seit 6 Monaten. In der Küche wurde mir ein Tee und eine Zigarette angeboten. Da ich nicht unhöflich sein wollte, habe ich beides angenommen. Mohammed erzählte mir, dass er in Damaskus drei verschiedene Jobs hatte. Einmal war er Schauspieler und hat in über 40 Filmen und Theaterstücken mitgespielt. Außerdem hat er Werbeansagen gesprochen und war Synchronsprecher in Filmen, die von Türkisch auf Arabisch übersetzt werden. Als letzten Job hat er noch den Friseur genannt. Dieses würde er auch gerne in Deutschland fortführen wollen. Ich sagte ihm, dass diese Branche sehr unterbezahlt ist. Da war er ziemlich enttäuscht. Die Küche war zwar sauber gestrichen, aber es fehlten noch alle Möbel. Außer einem Tisch und 4 Stühle gab es da nichts. Mohammed meinte, dass sie sich von Joghurt und Obst ernähren, bis die Möbel ankommen, was noch drei Wochen dauern könnte. Er sah dabei aber keineswegs traurig aus. Er war froh, Hilfe zu bekommen und hat die Situation akzeptiert.

In unserer Wohnung habe ich Steffi davon erzählt. Das einzige Zimmer das wirklich komplett eingerichtet war, ist das Kinderzimmer. Das fand ich persönlich ja schon sehr lobenswert. Auch wenn man es als normal ansieht, trifft dies ja nicht immer zu. Steffi und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir ein wenig von unserer Spargelsuppe rüber bringen.

Mohammed und seine Frau waren darüber sehr erfreut. Sie wollten uns auch gleich zum gemeinsamen Essen in ihr Wohnzimmer einladen. Das haben wir dann aber dankend abgelehnt, da es für uns ungewohnt ist, mit essen rüber zu kommen und sich sozusagen selbst einzuladen. Das hat unsere neuen Freunde natürlich auch verwirrt. Letzten Endes haben wir dann aber bei uns gegessen, und am späteren Abend noch einen Salat nach syrischer Art bekommen. Der hat etwas würzig und auch Sauer geschmeckt, aber keineswegs unangenehm.

Unser Geschirr haben wir auch zurückbekommen. Blitzeblank!

Ich glaube, dass man schon daran sieht, wie jemand Geschirr zurückbringt, was für Menschen das sind. Jedenfalls bin ich stolz darauf, sagen zu können, dass wir syrische Flüchtlinge als Nachbarn haben und mit diesen super klar kommen! Am Samstag findet noch ein gemeinsames grillen mit allen Mietern statt. Da wollen sie sich auch noch mal offiziell vorstellen, obwohl sie super aufgenommen wurden. Es ist, als wären sie schon immer da gewesen.